Gilcomston
Gilcomston, Aberdeen, 1751 bis 1763
Die Brennerei Gilcomston entstand laut Aberdeen-Historiker John Milne im Jahr 1751, als ein Pachtvertrag für ein Grundstück samt Wassermühle auf 99 Jahre abgeschlossen wurde. Der Vertrag entstand wohl ausdrücklich mit einer „Gilcomston Distilleries Company“, also auch mit dem tatsächlichen Hauptgeschäftsziel Alkohol zu brennen. Das finde ich bemerkenswert, als dass damals viele Brennereien im Rahmen landwirtschaftlicher Betriebe entstanden.
Gilcomston lag für die damaligen Verhältnisse außerhalb von Aberdeen.
Hier eine Karte von 1745, also 5 Jahre vor Abschluss des Pachtvertrags:
Bereits 1754 existiert ein ganz konkreter Nachweis der Brennerei, die auf Grund der Entwicklung der Getreidekosten die Preise ihrer Produkte senkt. So steht am 9. Juli 1754 folgendes im Aberdeen Press:
„Die Distillery Company zu Gilcomston, nahe Aberdeen, hat auf einer Generalversammlung in Anbetracht dessen, dass der Getreidepreis gegenüber dem vergangenen Jahr beträchtlich gefallen ist, einstimmig beschlossen, ihren einfachen Whisky und alle anderen Arten ihrer zusammengesetzten Spirituosen um zwei Pence Sterling je Scots Pint billiger als bisher zu verkaufen. Dementsprechend haben sie angeordnet, Verkaufszettel zu denselben Bedingungen drucken zu lassen, die sowohl in der Stadt als auch auf dem Land verteilt werden sollen.“
Auch erfährt man, dass die Erzeugnisse in der Brennerei sowie im Ladengeschäft in „Castlegate“ erwerben kann.
1756 findet sich eine Preisliste und auch ein Name zum Geschäft: „Jim Hay“, der den Laden in Castlegate betreibt.
Vielleicht hat die Brennerei bereits 1761 nicht mehr produziert, auf jeden Fall erscheint am 28. Januar 1762 eine Verkaufsanzeige - ich gebe sie in einer mit KI übersetzten Fassung wieder, denn aus ihr bekommt man einen ganz guten Überblick über die Austattung.
Es soll….„DIE DISTILLERY zu GILCOMSTON, nahe Aberdeen,
verkauft werden.
Sie verfügt über alle Arten von Einrichtungen, um mit geringen Kosten eine große und umfangreiche Brennerei und eine Brauerei zu betreiben. Sie besteht aus einem geräumigen und gut angelegten Hof, an dem sich ein sehr großes Distillery House oder Brew-house befindet, in welchem sich ein großer Kupferkessel, eine große und eine kleinere Brennblase mit Kühlern, Backs [Bottichen] und allen anderen Einrichtungen zum Destillieren und Brauen befinden.
Sie verfügt über einen großen und beständigen Strom guten Wassers – weit mehr, als jemals für den Betrieb benötigt werden kann –, der ohne Arbeitsaufwand in den Kupferkessel fließt und ohne Kosten zu jedem Teil des Werks geleitet werden kann. Sie besitzt eine äußerst zweckmäßige Malzscheune mit zwei sehr großen Böden darüber sowie eine schöne, gut gebaute Zisterne, die an einem Ende daran anschließt und in welche das Wasser ohne jeglichen Arbeitsaufwand fließt, und am anderen Ende der Malzscheune eine außerordentlich gute und große Malzdarre zum Trocknen des Malzes. Alles steht in einem angemessenen Verhältnis zueinander und ist so eingerichtet, dass die Mälzerei in großem Umfang mit sehr wenig Arbeitsaufwand und Kosten betrieben werden kann.
Ferner gibt es vier große, gut eingerichtete Keller mit Böden darüber, einen äußerst zweckmäßigen Keller zur Lagerung von Kohle und zwei kleinere Keller zur Lagerung von Cinders [Schlacke/Kohlerückständen], alles sehr zweckmäßig angelegt. All dies befindet sich innerhalb eines großen, quadratischen Hofes und ist durch ein einziges Tor abgeschlossen. Alle Gebäude wurden erst vor kurzem aus Stein und Kalk errichtet. Die Scheune und die Darre sind mit Schiefergedeckt, während das Distillery House und die Keller mit Dachpfannen [pantiles] gedeckt sind; alles befindet sich in gutem Zustand. Davor befindet sich außerdem ein zweckmäßiger, eingefriedeter Hof, der sich als Schweinehof eignet und durch den ein Wasserlauf fließt; unmittelbar daneben befindet sich eine gute Quelle. Außerdem gibt es eine große Anzahl von Fässern usw., die für die Fortführung des Betriebs geeignet sind. Zum Anwesen gehören ferner ungefähr drei Acres gutes Land, die es umgeben, vollständig gut eingefriedet und in gutem Zustand. Davon sind ungefähr zwei Acres verpachtet, die jährlich neun Pfund und zehn Shilling einbringen.
Unmittelbar an das genannte Werk anschließend befindet sich außerdem – [im Zusammenhang mit einem Besitz-/Pachtrecht] von neunundneunzig Jahren – eine sehr gute Wassermühle, die gut und reichlich mit Wasser versorgt wird und in welcher sämtliches für die Distillery und Brewery verwendete Malz ohne irgendwelche Kosten oder Abzüge gemahlen wird. Es bestehen außerdem weitere Rechte und Einkünfte [Duties and Perquisites], die dazugehören und ausreichend sind, um [die Mühle/den Betrieb] frei von allen Kosten zu unterhalten. Ferner gehören zu dem Werk zwei sehr gute Wohnhäuser, die unmittelbar daran angrenzen und geeignet sind, damit ein Brewer, Distiller und Clerk darin wohnen können, außerdem ein Garten, ein Keller, ein Boden, ein Stall für Pferdesowie ein Haus für einen Müller; alles unmittelbar an das Werk angrenzend und zu diesem gehörend. Es liegt am westlichen Ende der Stadt Aberdeen, wo sich ein guter Hafen befindet, und in einer äußerst ertragreichen Gegend, wo Arbeitskräfte und Getreide sehr billig sind und wo keine Brewery oder Distillery betrieben wird. Es besitzt sämtliche Einrichtungen, um Mälzen, Brauen und Destillieren sowohl für den heimischen Verbrauch als auch für den Export in sehr großem Umfang und mit sehr geringen Kosten sowie auf eine derart zweckmäßige Weise zu betreiben, wie sie andernorts vielleicht nicht anzutreffen ist.
Die Räumlichkeiten können jederzeit von James Crawford, Clerk der Distillery, gezeigt werden. Das Inventar und die Verkaufsbedingungen können bei Gilbert Gerard, Advocate in Aberdeen, eingesehen werden. Jede Person, die geneigt ist, vor dem Tag der öffentlichen Versteigerung einen privaten Kaufvertrag abzuschließen, oder weitere Informationen über das Anwesen wünscht, kann sich an den genannten Gilbert Gerard wenden. Das Inventar der Fässer, von denen eine große Anzahl vorhanden ist, soll zusammen mit den Versteigerungsbedingungen vorgelegt werden. Die Malt Barn [Malzscheune] ist ungefähr 90 Fuß lang und 32 Fuß breit.
Um 1762/1763 wird die Brennerei verkauft und anschließend 1763 in eine Brauerei umgewandelt. Da ich weder das genaue Datum des Verkaufes noch eine vorherige Stilllegung datieren kann, bleibe ich bei der Angabe 1751 bis 1763.
Ganz gut sieht man die weitere Entwicklung der Karten, auf der die entstandene Brennerei und spätere Brauerei abgebildet ist.
Die folgenden Karten zeigen das Gelände 1774 und daneben 1810. Übrigens entstand viel später noch einmal eine Brennerei unter den Namen auf dem Gelände. Wer die Gegend heute besuchen möchte, findet ein Wohngebiet vor: Google Maps


