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Tastingnotes & Whiskyblog

(The) Grange / Burntisland

Grange Distillery, Burntisland, Lowlands, 1786 - 1925

Caledonian Mercury, 20. Januar 1816

Die Grange Distillery wurde in Burntisland gegründet. Der Ort liegt bei Edinburgh, auf der gegenüberliegenden Seite des Forth of Firth. Auch diese Whiskybrennerei ging aus einer Brauerei hervor, welche 1767 entstand. Die Umwidmung geschah wohl um 1786. Die Gebäudestruktur der Brennerei soll um 1808 erbaut worden, 1813 erhielt William Young die Lizenz zur Destillation von Whisky. Den Namen „Grange“ gab es bei Whiskybrennereien gleich dreimal, bekannt war diese Distillery auch einfach nur als Burntisland Distillery. So auch in dieser Werbeanzeige von 1816, in der für ihren Real Malt Aquaviatae geworben wird.

Da ich ziemlich viele Annoncen zum Viehverkauf mit der Angabe „at Grange Distillery, near Burntisland“ finde, sollten wir einen Blick auf die damaligen Karten werfen. Damals lag die Brennerei noch außerhalb der Stadt und das Gelände diente auch als Farm. Auch auf späteren Fotografien wird das ebenfalls ersichtlich.

Im Januar 1847 finde ich eine Todesanzeige im irischen Saunders’s News-Letter, demnach ist John Young im Alter von 82 Jahren verstorben. In der Anzeige wird er als Leiter des angesehenen Unternehmens William Young & Sons, der Grange Distillery in Burntisland, bezeichnet. 

Im März 1855 wird die Whiskybrennerei an die Herren Currie und Gellatley verpachtet, wie lange diese die Brennerei betrieben ist unbekannt. Die Youngs betreiben weiterhin Farm und Ländereien. Vielleicht war diese Lösung von vornherein nur als kurzfristig gedacht, genau ein Jahr zuvor hatte sich William Young jun. bei der Krähenjagd die eigene Hand weggeschossen.

Bekannt hingegen ist, dass die Youngs eine einstweilige Verfügung gegen Davin Logan zum Schutz der Wasserversorgung ihrer Brennerei erwirkten. Logan gründete gegen 1858 oberhalb der Grange Distillery einen Steinbruch, er musste dann auf seine Kosten ein Reservoir bauen und entsprechende Rohrleitungen verlegen. Die Streitigkeiten zwischen insgesamt drei Parteien dauerten 40 Jahre.

Die Familie Young erlangte durch die ihre Geschäfte einiges an Wohlstand, sie stifteten Burtnisland 1869 die Music Hall.

Am 13. März 1885 bricht ein Feuer in der Brennerei aus. Aus dem Aberdeen Weekly News erfahren wir, dass das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt immer noch William Young & Co. heißt. Dem Bericht nach brach das Feuer am Freitagabend im Still House aus, welches sich im nördlichen Teil des Gebäudekomplexes befand. Ein Übergreifen auf die direkt anliegenden Lagerhäuser konnte verhindert werden, allerdings brannte das Dach des Still Houses komplett aus, das Gebäude wurde schwer beschädigt. Die Feuerwehr wurde zwar per Telegraphen verständigt, als diese eintraf war der Brand jedoch schon unter Kontrolle. 

Alfred Barnard besuchte die Grange Distillery im Jahr 1887 und beschreibt äußerst altmodische Gebäude, die im Inneren aber zweckmäßig angeordnet sind. 

Das Wasser zum Maischen stammt aus einem See des nahgelegenen Dunearn Hill, welches mit einer Kupferleitung knapp eine Meile lang zur Brennerei geführt wird. Das Kühlwasser stammt aus einem Bach, der über das Gelände fließt. Das Gelände sei mit insgesamt drei Gebäudekomplexen bebaut. Fünf Geteidelager und Malzböden, untergebracht in dreigeschossigen Gebäuden. Für das Malz wird eine Mischung aus Torf und Koks verwendet. Barnard beschreibt auch die Aussicht von der Grange Distillery, bei der Besichtigung schaute er über den Firth of Forth rüber nach Edinburgh auf Arthurs Seat. Neben einer großen Mash Tun stehen zehn Washbacks zu je 6.000 Gallonen zur Verfügung.

Barnard erwähnt zwar nicht das zwei Jahre zuvor ausgebrochene Feuer, beschreibt aber ein vollständig neu erbautes Still House, gut beleuchtet und belüftetet, modern und brandsicher. Feuerlöscher, Schläuche und Absperrhähne seien in jedem Stockwerk installiert, die Schläuche erreichen jedes Gebäude auf dem Gelände.

Zwei Brennblasen sind installiert, eine mit 4.000 Gallonen (Wash Still) und eine mit 2.400 Gallonen (Spirit Still), beide stammen vom Kupferschmied Fleming & McLaren aus Glasgow. Auf dem Gelände sind zudem eine Küferei, eine Schmiede, eine Tischlerei, Stallungen und Wagenschuppen. 19 Lagerhäuser bieten Platz gut 650.000 Gallonen Whisky. Der Whisky wird als Lowland Malt ind Schottland, England, Indien un den Kolonien gehandelt. Jährlich produziere die Brennerei 200.000 Gallonen, bei starker Auftragslage waren es auch schon einmal 260.000 Gallonen. Diese großen Mengen beschäftigen regulär 6 Steuerbeamte auf dem Gelände.

Grange, 1887, Alfred Barnard


Im Juli 1888 wird die Produktion für drei Monate unterbrochen, der Grund ist nicht bekannt, allerdings wird der Zeitpunkt als unüblich bezeichnet. 1888 wird der Versicherungswert der Brennerei auf 141.165 Pfund festgelegt. Wenn wir die Kaufkraft dieser Summer von 1888 auf heutige Verhältnisse umrechnen, sind das immer 27-28 Millionen Euro. Auch im Vertrieb war die Brennerei aktiv, sie beschäftigte bereits Ende der 1890er Jahre reisende Handelsvertreter. Sie verkauften den Whisky unter dem Namen "Old Burntisland". Aus den Jahren nach dem Pattison-Crash ist nicht viel bekannt, aber aus der Zeit von 1900 bis 1910 gibt einen Werbedruck. Auch gibt es ein Foto, welches zwar auf 1880 datiert ist, ich halte jedoch rund um 1900 für realistischer. 

Am 24. März 1911 stirbt Harry George Young.

Im September 1911 sind Verhandlungen zur steuerlichen Bewertung der Burntisland Distillery beim „County Valuation Appeal Court“ in Dunfermline verzeichnet. In den Folgejahren gibt es weitere Reduzierungen, eine der Begründungen sucht die Schuld bei den Blendern, denn die drücken die Preise für Malt Whisky und kaufen stattdessen billigen Grain.

Am 1. August 1914 wird der Zusammenschluss fünf wichtiger Brennereien zum Unternehmen Scottish Malt Distilleries Ltd., kurz SMD, vermeldet. Teil dieser neuen Firma sind Clydesdale, Rosebank, Glenkinchie, Linlithgow und die Burntisland Distillery.

Da die Brennerei für den 12. Dezember 1915 frischen Draft als Viehfutter (Treber/ Getreideabfall nach dem Maischen) anbietet und erst einige Tage zuvor eine Stellenanzeige veröffentlichte, ist Grange zumindest 1915 noch in Betrieb. Das gilt auch für die ersten Monate des Jahres 1916. In den beiden letzten Kriegsjahren wird die Brennerei auf Grund der Getreideknappheit nicht produziert haben. Im Januar 1919 sucht man wieder Personal, Grange ist dabei den Betrieb wieder aufzunehmen.

1925 erwirbt die Distillers Company Limited die SMD. Dem Fife Free Press vom 14. November 1925 können wir entnehmen, dass DCL die Grange Distillery in Burntisland sowie die Sciennnes Distillery in Edinburgh stillgelegt hat. Beide Brennereien sollen künftig nur noch als Lager dienen. Nur wenige Monate zuvor wäre DCL über den Kauf der Scottish Malt Distillery Eigentümer beider Brennereien geworden. Als Begründung der Stilllegung wird der deutliche Nachfragerückgang genannt.

Die Lagerhäuser wurden dann tatsächlich noch bis 1987 genutzt und erst um 1990 abgerissen. Auch hier habe ich zwei Fotografien finden können, sie sind auf 1985 datiert. Da die Ursprungsqualität wirklich mies war, wurden sie nachgearbeitet.

ca. 1985 (eher früher) - © Crown Copyright: HES (Scottish Development Department)

Übrigens: Der" Pure Malt" Whisky der Brennerei entspricht der heutigen Kategorie eines Single Malts. Bereits ab 1835 ist er mit Altersangabe verkauft worden, zum Beispiel als 7-jähriger Whisky. Zwar ist keine Flasche in der Whiskybase angelegt, allerdings findet sich online ein Label einer Flasche, welche vermutlich zwischen 1900 und 1916 abgefüllt wurde. Sie soll um die Jahre 2000/2001 in einer Versteigerung für 2.000 Pfund an einen amerikanischen Sammler verkauft worden sein, gelistet war sie als 7-jähriger "O.B. Grange" (Old Burntisland, Grange Distillery).

 
 
 
 
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