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Tastingnotes & Whiskyblog

Auchtertool

Auchtertool, Lowlands, Auchtertool (Fifeshire), 1845 - 1926

Von 1845 bis 1926, so lauten zumindest die Daten zur Auchtertool Distillery, wobei das weder in die eine noch in die andere Richtung ganz korrekt ist. Die Geschichte der Brennerei geht viel länger zurück, sie war wohl bereits seit 1650 eine Bierbrauerei, nach der Schließung fungierte sie noch einige Jahrzehnte als Mälzerei.

Laut dem späteren Bericht von Alfred Barnard begann das Destillieren von Whisky im Jahr 1845, wer genau die Brennerei betrieb ist unbekannt. Dokumentiert ist dann um 1850 James Liddell als lizensierter Betreiber der Auchtertool Distillery, er starb 1867.

Hier sehen wir eine Karten von 1854 und 1894 

1869 findet sich eine Verkaufsanzeige im Fifeshire Advertiser, die Brennerei Auchtertool sowie dazugehörenden Grundstücke und vermietete Wohnhäuser werden zum Verkauf angeboten. Die Brennerei sei verpachtet und der Pachtvertrag kann frühestens zu 1873 gekündigt werden, Maschinen und Gerätschaften gehören dem Pächter. Es folgte eine Auktion, in der die Brennerei und das zugehörige Herrenhaus angeboten wurden, da keine Gebote erfolgten, wurden die Lose geteilt. Für die Auchtertool Distillery fand sich dennoch kein Käufer.

Walter Bartholomew, Fife Free Press, 28. Juli 1906

Wann genau Walter Bartholomew die Brennerei übernahm kann ich nicht genau rekonstruieren, Brian Townsend schreibt in seinem Buch jedoch, dass dies erst 1883 gewesen sei und Auchtertool bis dahin entweder anders genutzt oder gar stillgelegt war. Das kann ich wiederlegen, da sich zwischen 1870 und 1880 Berichte über Betriebsausflüge der Beschäftigten finden lassen.

Am 4. Mai 1878 veröffentlicht die Brennerei dann eine Anzeige, in der sie um Angebote potenzieller Lieferanten für 200 Tonnen Torf bittet.

1879 wird Walter Bartholomew mit seiner Auchtertool Distillery verklagt, da sie wohl nicht nur Wasser aus dem Dronachy Burn entnimmt, sondern anschließend auch Produktionsabfälle einleitet. Die Brennerei verteidigte sich mit dem Argument, dass das Wasser des Baches sowieso von minderer Qualität sei und andere Gehöfte im Umkreis ebenfalls Abwässer einleiten. Die Kläger gewannen, der Brennerei wurde die Verschmutzung untersagt.

Alfred Barnard besuchte die Brennerei 1886 oder 1887, Herr Bartholomew empfängt ihn in seinem Haus in Kirkcaldy und fährt Barnard persönlich mit der Kutsche die vier Meilen bis nach Auchtertool. Er beschreibt einen malerischen Ort mit einer sehr auffälligen Brennerei. Die Gebäude sind quadratisch angeordnete und über einen Innenhof verbunden. Daneben befindet sich die neue Mälzerei. Gegründet wurde die Brennerei laut dem Bericht bereits 1650 als Brauerei, 1845 soll sie demnach zur Brennerei umgewidmet worden sein. Er beschreibt drei große Getreidelager, große betonierte Malzböden und drei Kilns, welche mit Eisenplatten ausgelegt sind. Ausschließlich Torf wird hier zum trocknen verwendet. Betont wird zudem, dass die Mälzerei von oben nach unten arbeiten und daher wenig Handarbeit benötigt wird, die Schwerkraft transportiert den Rohstoff. Weiter gibt es eine Mühle sowie eine große Mash Tun mit Underback und ganze acht Waschbacks zu je 2.780 Gallonen. Das Brennhaus wiederum wird als altes Gebäude beschrieben, hier stehen zwei Kupferbrennblasen mit einer Kapazität von 2.500 Gallonen (Wash Still) sowie 1.360 Gallonen (Spirt Still). Erwähnt wird zudem, dass Herr Bartholomew allen Beschäftigten komfortable Wohnungen stellt, ebenso wie den drei Verbrauchssteuerbeamten. Der Whisky wird als „Pure Malt“ in England und Schottland gehandelt, die Jahresproduktion liegt bei 86.000 Gallonen.Und dann gibt es da sogar noch eine Zeichnung.

Ca. 1886


Die neue Mälzerei muss die Produktionskapazitäten noch einmal deutlich gesteigert haben, zumindest sucht das Unternehmen im September 1890 gleich drei Beschäftigte für die Maltings.

Im Jahr 1891 fanden Verhandlungen über die Erweiterung einer Eisenbahnlinie statt, die auch Auchtertool anbinden würde. Herr Bartholomew spricht für den Ausbau, denn zwei Drittel der jährlich produzierten 80. bis 84.000 Gallonen würden in Glasgow und im Westen Schottlands konsumiert. Er würde mit dem Bahnanschuss jährlich 600 Pfund für Fuhrwerke sparen und könnte zudem Torf viel günstiger einkaufen.

Mit der neuen Mälzerei konnten die beiden bisherigen Brennblasen irgendwann nicht mehr mithalten, es begann ein stetiger Ausbau der Brennerei. So erhielt Auchtertool am 26. Oktober 1896 eine neue Brennblase. Diese hatte laut Zeitungsbericht eine Kapazität von 3.900 Gallonen und konnte auf Grund ihrer Größe nicht per Zug transportiert werden, stattdessen wurde sie via Pferdegespann zur Brennerei geschleppt. Dabei handelte es sich um die neue Spirit Still. Laut dem Bericht hat die zweite Still bereits eine Woche zuvor die Brennerei erreicht. Hersteller der Brennblasen war der Schmied Mr. Willson. Im nächsten Schritt musste die Wasserversorgung verbessert werden, so suchte die Brennerei im April 1897 ein Bauunternehmen zur Errichtung eines „Reservoirs“ am Dronachy Burn. Ein Jahr später, im Mai 1898, suchte die Brennerei wiederum Unternehmer zur Erweiterung der Mälzerei (new Malt Barns and Kilns).

Übrigens war an den Erweiterungen und Umbauten der Brennerei auch der Whisky-Architekt Charles Chree Doig beteiligt (der mit den Pagodendächern). 1899 sucht die Brennerei dann weitere 6 Beschäftigte für ihre Mälzerei.

Inhaltlich muss trotzdem noch einmal zurückspringen. Die Edinburgh Evening News vermeldende am 21. Juli 1906 den Tod von Walter Bartholomew. In einem Nachruf der Fife Free Press erfährt man, dass er den Auchtertool Whisky in ganz Schottland bekannt gemacht hätte, selbst in den Kolonien und Südafrika kenne man Auchtertool. Auch erfährt man, dass er die Brennerei bereits vor 12 Jahren verkaufte und gar nicht mehr Inhaber von Auchtertool war, das war seitdem Arthur Sanderson (Anmerkung: Roberston, Sanderson & Co., demnach seit 1894, Brian Townsend schreibt von 1896). 

Aus der Zeit zwischen 1900 und 1910 stammt diese schöne Postkarte:

Postkarte ca. 1900/1910


Die nächsten Jahre produziert die Brennerei so vor sich hin, 1909 setzte sich das Unternehmen gerichtlich gegen die steuerliche Bewertung der Brennerei ein und erreichte eine Reduzierung. Das Argument der Behörden war übrigens, dass Auchtertool eine der besten Brennereien des Landes sei. Allerdings befand sich die gesamte Branche in einer äußerst angespannten Lage. 1911 reduzierte sich die Bewertung abermals um 22,7%. Aus der Argumentation der Brennerei erfahren wir auch wie ernst die Lage damals war. Rein technisch konnte Auchtertool bis zu 130.000 Gallonen je Saison produzieren, die durchschnittliche Jahresproduktion lag zwischen 1905 und 1911 jedoch nur bei 46.000 Gallonen. Wie wir später erfahren wurde Auchtertool im Jahr 1911 stillgelegt.

Im Frühjahr 1915 stand die Brennerei dann plötzlich zum Verkauf, samt technischer Einrichtung und der Wohngebäude für die Beschäftigten. Aus der Verkaufsanzeige gehen folgende Zahlen hervor: Die Brennerei könne 200.000 Gallonen bei Vollauslastung produzieren, die Lagerhäuser hätten Platz. für 1.000.000 Gallonen (Anmerkung über 9.000 Sherry Butts).

Offensichtlich war Sanderson mit dem Verkauf der Brennerei vorerst nicht erfolgreich, denn im September 1915 wurde abermals die steuerliche Bewertung verhandelt. Hier erfahren wir nun auch in der Argumentation des Unternehmens, warum sie für eine besonders niedrige Bewertung plädieren. Seit dem Jahr 1911 hat Auchtertool keinen Whisky mehr produziert. Anschließend findet sich wohl doch noch ein Käufer.

Im März 1916 sucht das Unternehmen James Calder & Co. via Stellenanzeige Beschäftigte für alle Teile der Brennerei, sprich "Stillman, tunroom-man, miller, maltmen, carters and labourers". Ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt eine stillgelegte Brennerei wieder anzufahren, da kriegsbedingt 1916 starke Einschränkungen in den Produktionsmengen galten und ein Jahr drauf der Getreidemangel eine Whiskyproduktion unmöglich machte.

1917 erklärte ein Arbeiter gegenüber dem Fifeshire Advertiser, dass kein Whisky bei Auchtertool hergestellt wird. Aktuell würden in der Brennerei nur vier Männer für das Ministry of Munitions "Spirit" herstellen. Angemerkt wird das Alter der Beschäftigten, sie seien für den Militärdienst zu alt.

Dezember 1919 scheint es mit der Brennerei wieder aufwärts zu gehen, immerhin wird Mr. Matthew Young zum Manager der Auchtertool Distillery berufen, Eigentümer ist immer noch die James Calder & Co. Ltd.

Vielleicht wurde die Brennerei noch einmal für den Verkauf hübsch gemacht, zumindest suchte man 1920 einen Maurer. Würde Auchtertool heute noch produzieren, würde sie heute zum großen Diageo-Konzern gehören. Am 13. August 1921 meldet der Fifeshire Advertiser den Kauf der Brennerei durch die Distillers Co. Ltd, kurz DCL, betrieben wurde die Brennerei unter dem Firmennamen Auchtertool Distillery Co.

Im Juni 1923 bemüht sich die Brennerei um Wasserrechte, sie benötige zwischen 500.000 und 600.000 Gallonen für 5 Arbeitstage die Woche. Bereits drei Jahre später ging die Auchtertool ihrem Ende entgegen. Die außerordentlichen Hauptversammlungen der Gesellschafter am 6. sowie 21. Januar 1926 beschloss die freiwillige Auflösung des Unternehmens. Ich finde die Angabe, dass Auchtertool bei Scottish Malt Distillers Co. eingegliedert wurde.

Zwischen den beiden entscheidenen Gesellschafterversammlungen zur Auflösung des Unternehmens erschien am 14. Januar 1926 ein Bericht über die Brennerei, dieser wurde zuletzt im Reprint "The Distilleries of Great Britain and Ireland" abgedruckt. So wird die vierstöckige Mälzerei beschrieben, die Gerste wurde mit einem Aufzug nach oben transportiert, in der weiteren Produktion unterstützten Förderbänder. Es standen sechs große Washbacks mit einem Fassungsvolumen von je 10.000 Gallonen zur Verfügung. Nun erfahren wir auch die Größe der Wash Still, sie fasste 4.000 Gallonen, die Spirit Still hingegen fasste 3.000 Gallonen. Wöchentlich konnten 4.000 Gallonen Spirit produziert werden, die Jahresproduktion lag bei 120.000 bis 125.000 Gallonen. Zum Zeitpunkt des Berichtes lagen 9.000 Fässer in den drei großen Lagerhäusern, Platz war für bis zu 14.000 Fässern.

Und dann gibt es noch wunderschöne Aufnahmen, vermutlich im Jahr 1925 aufgenommen. Nach UK-Recht mittlerweile gemeinfrei, dokumentiert in der British Library


Herbst 1926 kann ich wieder einem Verhandlungsauszug zur steuerlichen Bewertung finden, demnach war die Auchtertool Distillery bereits stillgelegt und die Gerätschaften ausgebaut. 

Die Mälzerei wurde noch viele Jahre betrieben, bis September 1973 auch hier Schluss war. Später wurden alle Gebäude abgerissen, ein kleines Wohngebiet entstand. Es trägt den Namen "The Maltings" - und hier ist der Link zu Google Street View: https://maps.app.goo.gl/z2ckUZwNQ798n1Rf7

Und zuletzt ich noch Bilder die Prof. John R. Hume aufgenommen hat. Die ersten beiden Aufnahmen sind im Jahr 1974 entstanden, also ein knappes Jahr nach der Stilllegung der Mälzerei, die dritte Aufnahme zeigt den Abriss 1977.

© Copyright: HES (Papers of Professor John R Hume, economic and industrial historian, Glasgow, Scotland)

 
 
 
 
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